Michael Köhlmeier

Dämonen, Mischtechniken auf Leinwand
07.05.2026 bis 26.06.2026


Vernissage
Donnerstag 7. Mai 2026, 18 – 20 Uhr

Zur Eröffnung spricht um 18:30
Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder
Generaldirektor der Albertina em.
CEO des Wiener Aktionismus Museums

Mit den Ölbildern „Dämonen“ von Michael Köhlmeier (*1949), von Mai bis Juni 2026, der letzten Ausstellung am Standort Domgasse, setzt sich Klaus Albrecht Schröder auseinander:

Wer die Erzählungen und den Erzähler Michael Köhlmeier kennt, der weiß, wie linear das ineinander übergeht, wie das fließt, wie das eine Poesie hat, die zusammengehört, das fängt mit dem ersten Wort an und hört nach den einen oder anderen Pausen am Ende auf. 

Die Bilder sind das Gegenteil, sie sind eine Addition von Splittern, da geht es kunterbunt durcheinander, da wird assoziativ gearbeitet. Da wird alles getan, um den Eindruck der akademischen Lehre zu demolieren, und zwar durch verschiedene Gestaltungsprinzipien, die uns vertraut sind. Ich denke, dass es wahrscheinlich kaum jemanden hier in diesem Raum gibt, der nicht prima vista sofort zu sich sagt: Jean-Michel Basquiat. Wir sagen auch bei anderen Künstlern, das ist eine Fortsetzung, eine Weiterentwicklung von Gerhard Richter, von Georg Baselitz, von Valie Export. Doch bei Basquiat und jemandem, der eine Doppelbegabung an den Tag legt, mag man kritischer sein, denn die Unterschiede sind gewaltig. Basquiat kommt von den Straßen aus Brooklyn. Seine Integration von Wörtern, von Schriften ins Bild sind ein Aufschrei, sind ein Riss in die Leinwand. Köhlmeier kommt aus der Bibliothek und seine Worte und seine Schriften sind letzten Endes Erinnerungssplitter, Gedächtnissplitter, Verarbeitungen dessen, was er gelesen hat und was ihm wichtig war. Und was ihm wichtig war, das wird größer gemacht und darum greift er gleich noch auf eine zweite Gestaltungsweise zurück, die natürlich auch für Basquiat wichtig war – nämlich die Kinderzeichnung, die sich durch verschiedene Besonderheiten auszeichnet: Das ist primär die nicht gelernte antiakademische Ausdrucksweise. Bevor Anatomie, Perspektive, Modellierung gelehrt wird, die sobald erlernt, verinnerlicht wird, dominieren bei Kinderzeichnungen Umriss durch Frontalität und Profil, der Kopf, das Denken, die Eltern, der Baum daneben kann winzig klein sein, weil unwichtig, sodass man von einer Bedeutungsperspektive spricht. Zudem ist die Kinderzeichnung meist sehr additiv. Das ist hier in einer Weise gegeben, dass man die Ölbilder gerade als Schulbeispiel der Rezeption von Kinderzeichnung betrachten könnte. 

Ein Teil der Rede literarisch bearbeitet von Manfred Chobot